Gestaltungsausbildung reformieren, aber wie?
Hallo Design Didaktik Interessierte,

Als Kommunikations-Designerin beschäftige ich mich mit dem Wandel unseres Berufsbildes und mit der Vervielfachung, der an uns herangetragenen Erwartungen, bzw. mit dem Wandel des Design-Bureaus zu einer Service- und Beratungsagentur.

Laut Strukturanalyse „Der Rang des Designs in Bayern 2004“ herausgegeben von der Bayern Design gGmbH, im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie steht bei Designern vor allem Designqualität im Vordergrund. Besonders wichtige Entscheidungskriterien für Unternehmen hingegen sind vor allem kosteneffiziente Lösungen und damit betriebswirtschaftliche Parameter. Eine nutzenbringende Verknüpfung dieser beiden Positionen ist u.a. eine Herausforderung, die Designer in der Zusammenarbeit mit ihren Kunden meistern müssen. Im Idealfall beherrschen sie beide Seiten. Was bedeutet das für die Gestaltungsausbildung?

Die Entwicklung des Hochschulsystems in Deutschland verändert Rahmenbedingungen. Inzwischen findet ein dereguliertes Universitätssystem breite Zustimmung. Die Reform, die Ende der 80er Jahre begann, dann wegen der Wiedervereinigung etwa fünf Jahre auf Eis lag, erfasst seit Mitte der 90er Jahre alle Ebenen: Bund, Länder, Hochschulen. Wesentliche Veränderungen haben stattgefunden:
1. Staat und Hochschule: In Verträgen wird gemeinsam ausgehandelt,
welche Ziele und Aufgaben verfolgt und wie diese finanziert werden sollen (neues Verhältnis).
2. Wettbewerb und Leistungstransparenz: Hochschulranking deckt Unterschiede auf.
3. Macht der Nachfrage: Die Zahl der Studierenden wird wesentliches Kriterium der Mittelzuweisung.
4. Wissenschaftliche Exzellenz: Entpolitisierung führt zu verstärkter Beschäftigung mit Exzellenz.
5. Gestärkte Verantwortung der Einzelperson: Entscheidung der Fakultät oder Hochschule
orientiert sich an wissenschaftsbezogenen Maßstäben.

Diese Veränderungen eröffnen neue Perspektiven für die Gestaltung von Design Studiengängen und von Ausbildungskonzepten. In diesem Zusammenhang stellen sich folgende Fragen:
1. Was ist der Status quo?
2. Welche Reformen/Veränderungen sind notwendig?
3. Sind unterstützende Maßnahmen erforderlich?
4. Wenn ja, wer kann unterstützende Leistung anbieten und wie müsste diese aussehen?
5. Welches sind die Möglichkeiten und Grenzen dieser Leistung?

Mit diesen Fragen beschäftigte ich mich im Rahmen meiner Master-Thesis: Management Consulting at Faculties of Design - Opportunities and Limitations (Case Study Approach, 2004)
Im Folgenden eine Zusammenfassung der Ergebnisse:
1. Die Notwendigkeit einer professionellen Unterstützung zeigt die Gründung von Organisationen,
die sich auf Hochschulberatung spezialisiert haben.
2. Unternehmensberatungen spielen dabei eine wichtige Rolle.
Beratungsprodukte aus der Wirtschaft werden an die Bedürfnisse der Hochschulen angepasst.
3. Unternehmensberatungen können Reformprozesse erfolgreich unterstützen:
methodische Kompetenz, professionelle Erfahrung, objektive Experten.
Voraussetzung für eine erfolgreiche Zusammenarbeit ist breites Wissen aus dem Hochschulsektor.
4. In welchem Umfang Unternehmensberatungen eingebunden werden,
wird der Wettbewerb unter den Anbietern von Beratungsleistungen zeigen.

In den vergangenen Jahre haben sich Hochschulen angesichts Globalisierung und Internationalisierung (Bologna Prozess) intensiv mit ihrer Positionierung beschäftigt. Von ihnen wurde erwartet, dass sie sich zu zielorientierten, unternehmerisch handelnden Institutionen entwickeln. Die strategische Planung und Profilbildung auf Hochschul- und Fakultätsebene stellte sich als große Herausforderung dar. Im Rahmen des Projekts "Studienreform 2.0" wird die Hochschulrektorenkonferenz u.a. die Gestaltung von Studiengängen an Kunsthochschulen z.B. durch Beratungstätigkeit vermehrt unterstützen.
29.06.2010 um 23:52 Uhr

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