Bericht: Workshop der DGTF Themengruppe Visuelle Kommunikation
Workshop der DGTF Themengruppe Visuelle Kommunikation
20. Oktober 2011 – im Rahmen der 8. Jahrestagung der DGTF an der HfG Schwäbisch Gmünd

BERICHT

Unter der Leitung von Jan-Henning Raff wurde der Versuch unternommen, die wissenschaftlichen Grundlagen im Kommunikationsdesign abzuschreiten. Hintergrund dafür war der von allen Teilnehmern geteilte Eindruck, dass die Verwissenschaftlichung im Kommunikationsdesign viel weniger wahrnehmbar als etwa im Interaktionsdesign ist. Es zeigte sich – dies ein erstes Ergebnis des Workshops – dass die wissenschaftlichen Bezüge einerseits selbstverständlich erscheinen (etwa die aus der Gestaltpsychologie) andererseits vergessen oft sind (etwa die Errungenschaften der HfG Ulm).

Durch drei Teile hindurch zog sich das Prüfen von wissenschaftlichen Bezügen:

1. Wahrnehmung (psychologische Grundlagen)
2. Zeichen
3. Wissen

Resultate:

Die Psychologie stellt eine wichtige Bezugswissenschaft für das Kommunikationsdesign dar, da sie grundlegende visuelle Phänomene erforscht. Allerdings sind ihre Ergebnisse dem Designforscher wegen der avancierten (Labor-)Methodik oft unzugänglich. Die psychologischen Erkenntnisse erreichen den Designer daher nur vermittelt, etwa in popularisierenden Darstellungen, die oft einer biologistisch-deterministische Sichtweise Vorschub leisten (bspw. "Der Mensch kann sich nur 7 Dinge merken"). Dennoch sind einige Methoden der psychologischen Forschung auch ins Kommunikationsdesign diffundiert – wie etwa das Eyetracking.

Die Semiotik scheint viel mehr als die Psychologie eine dem Kommunikationsdesign angemessene Wissenschaft zu sein, ist ihr Gegenstand doch das Zeichen. Allerdings entfaltet sie ihr Potenzial vor allem als analytisches Werkzeug zum kritischen „Lesen“ von Kommunikationsdesign. Die zur Zeit (wieder) populäre Verlängerung der Semiotik in die Rethorik scheint vielversprechender für die Praxis zu sein. Zeichengefüge werden hier besprochen hinsichtlich ihrer rhetorischen Kraft.

Im Bereich des Wissensdesigns wurde an die Errungenschaften des Kartographen Jacques Bertin für die Visualisierung erinnert. Damit war das Feld eröffnet zur Diskussion über die Informationsvisualisierung, einer der wichtigsten Aufgaben des Kommunikationsdesigns heute: Information visuell aufbereiten und dadurch neue Erkenntnis zu ermöglichen. Hier haben Designer mit praktischen Arbeiten (u.a. Otto Neurath/Gerd Arntz, Richard Saul Wurman, Stephen Few)einiges geleistet. Aus anderen Disziplinen liefern etwa Martin Eppler (Universität Lugano) und Richard Mayer (University of California, Santa Barbara) wichtige Beiträge, etwa auch um hier liebgewordene Ansichten (wie sie bspw. Edward Tufte liefert) zu belegen oder zu kritisieren.

Zuletzt wurde diskutiert, ob der Gebrauch im Kommunikationsdesign nicht vernachlässigt wird, hier also eine „Print Usability“ erforderlich ist. Da allerdings, wo der Gebrauch offensichtlich ist – etwa bei Leitsystemen – gibt es auch schon entsprechende forschungsgetriebene Projekte (z.B. Legible London). Die wissenschaftlichen Bezüge hier müssten über die kognitve Psychologie hinausgehen, um breitere Nutzungskontexte zu erfassen. Als entsprechende Theoriebezüge wurden Distributed Cognition, Activity Theory, und die Phänomenologie vorgeschlagen.

Eine Bibliografie zur Forschung im Kommunikationsdesign ist im Aufbau unter:
http://kommunikationsdesignforschung.tumblr.com/



04.01.2012 um 14:01 Uhr

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