Manifestationen im Entwurf in Design, Architektur und Ingenieurwesen, CFP, Aachen, 10.02.2014
Manifestationen im Entwurf in Design, Architektur und Ingenieurwesen – eine interdisziplinäre
Bestandsaufnahme.

Tagung vom 10.–12.04.2014 an der RWTH Aachen

Der von Architekten, Designern und Ingenieuren gestalteten Welt ist der langwierige Planungs- und Produktionsprozess oft kaum mehr anzusehen. Er verschwindet hinter den meist perfekt erscheinenden Oberflächen der Dinge, die suggerieren, dass sie nur so sein können, wie sie sind.
Dabei werden sie neben den funktionalen, technischen, ökonomischen oder ästhetischen Erfordernissen genauso durch die planenden Individuen geprägt, aber auch durch deren angewandte Methoden, die in den vergangenen 30 Jahren einen Paradigmenwechsel von der analogen zur
digitalen Planung durchlaufen haben. Dieser Übergang, der nicht moderiert oder durch Regelwerke gelenkt wurde, vollzog sich vielmehr in unzähligen, individuellen Strategien, die in den jeweiligen Disziplinen allenfalls separat diskutiert wurden. Ziel der Veranstaltung an der RWTH Aachen ist es, die bisher getrennt laufenden Diskurse der einzelnen Fachrichtungen zu bündeln und eine interdisziplinäre
Bestandsaufnahme anzustoßen. Der Fokus der wissenschaftlichen Auseinandersetzung liegt dabei auf den epistemischen Objekten, die während des Entwerfens in Form von Modellen, Skizzen, Diagrammen und Notationen jeder Art entstehen. Wir bezeichnen diese Artefakte als MANIFESTATIONEN IM ENTWURF. An ihnen werden Intentionen, Methoden, Techniken und kreative Prozesse in den verschiedenen Stadien des Entwurfsprozesses deutlich. Als reale Objekte bestimmen sie wegweisend die Deutung und Weiterbearbeitung des Entwurfsprozesses und operieren somit als Träger von Wissen.

Die Tagung unternimmt eine Bestandsaufnahme aktuell praktizierter Strategien zur Generierung von Wissen und Gestalt. Sie widmet sich der Frage, wie arbeiten Entwerferinnen und Entwerfer als handelnde Akteure im Umgang mit Material, mit Werkzeugen, Programmen und Techniken? Mit
einem dezidiert komparativen Ansatz sollen die bislang getrennt geführten Diskurse der Disziplinen Design, Architektur und verwandter Ingenieurwissenschaften verbunden und damit ein Erfahrungsaustausch garantiert werden. Die Veranstaltung versteht sich als Kick-off für einen Methodendiskurs mit dem Ziel eine Disziplinen übergreifende Bestimmung des Verhältnisses von Denken, Wollen und Agieren vorzunehmen. Besteht in Zeiten digital programmierter Umgebungen ein
Widerspruch zwischen instrumentellem Handeln und intuitivem Arbeiten? Inwiefern können zur Förderung der Ideenproduktion Kollateral-Effekte von körperlichem Agieren auf kreative Denkprozesse aktiviert werden?
Welche Funktionen übernehmen gerade das taktile Wissen in Bezug auf die Entwicklung dinglicher und räumlicher Formen? Implizit wird damit im Sinne eines practice turn auch die Frage nach der Selbstbestimmung des Menschen als treibende, handelnde und inspirierende Kraft im Entwurf
neu gestellt. Wie werden kreative Prozesse initiiert, wie und in welcher Weise wirken dabei die Methoden und Werkzeuge auf die Generierung von Konzepten ein? Oder sind es vielmehr die Objekte
selbst, die als tragende Kraft den Entwurfsprozess entscheidend prägen? Die Tagung initiiert für die beteiligten Disziplinen eine Erweiterung der Design Thinking-Debatte unter expliziter Berücksichtigung
materieller Entwurfsmanifestationen.

Ziel ist ein Austausch von Erfahrungen, die in der Anschauung der manifesten Produkte empirisch untersucht und diskutiert werden können: Wie werden MANIFESTATIONEN im Entwurf in den Disziplinen Design, Architektur und Ingenieurwesen wahrgenommen? Welche Ähnlichkeiten und
Unterschiede bei der Wissensgenerierung werden sichtbar? Gibt es wiederkehrende Methodenkategorien oder Regelwerke? Wie können die Disziplinen voneinander profitieren, welche Schnittstellen und hybride Strategien lassen sich entwickeln? In welchem Umfang und unter welchen
Bedingungen bilden sich individuelle und unkonventionelle Entwurfsmethoden aus und welche Rolle spielen diese zur Weiterentwicklung der einzelnen Wissenskulturen?

BeiträgerInnen sind für Vorträge, Werkstattberichte, Kurzpräsentationen und sogenannte Cubicposts gesucht. In Form von Key Notes wird der Austausch über die aktuelle Gestaltungspraxis mit den gegenwärtigen entwurfstheoretischen Debatten in Bezug gebracht, so dass sich die
Tagung auch als eine Plattform des Dialogs zwischen Theorie und Praxis begreift. Die Veranstaltung endet mit einer Podiumsdiskussion, in der die Leitfragen aufgegriffen und in Replik auf die Beiträge zur Tagung diskutiert und beantwortet werden. Sie richtet sich innerhalb der genannten Disziplinen ebenso an erfahrene wie an junge, innovative Büros und Einzelpositionen, aber auch an Hochschulen, Akademien und Forschungsinstitutionen in Theorie und Praxis.

Die Tagung findet statt vom 10.–12.04.2014 an der Fakultät für Architektur der RWTH Aachen, Schinkelstraße 1, 52062 Aachen.

Manifestationen im Entwurf ist eine von der RWTH Aachen initiierte Kooperationsveranstaltung von Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Thomas H. Schmitz, Lehrstuhl für Bildnerische Gestaltung, Fakultät Architektur, Univ.-Prof. Dr. phil. Roger Häußling, Lehrstuhl für Soziologie, Technik- und Organisationssoziologie, Univ.-Prof. Dr.-Ing. Jörg Feldhusen, Lehrstuhl und Institut für Allgemeine Konstruktionstechnik des Maschinenbaus in Zusammenarbeit mit Dipl.-Ing. Peter Cachola Schmal, Direktor Deutsches Architekturmuseum, Frankfurt am Main, Prof. Dr. Claudia Mareis (DGTF), Leiterin Institut Design- und Kunstforschung, Hochschule für Gestaltung und Kunst FHNW, Basel.
23.01.2014 um 13:46 Uhr

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